Wie der Humor die Welt verändert

und das Lachen den Menschen trennt

Der Humor und der Spaß, die Liebe und die Lust: Grundbedürfnisse des Menschen, denen wirklich jeder Mensch auf der Welt mehr oder weniger frei nachgehen darf. Doch was tatsächlich hinter diesen Begriffen steckt und was man mit ihnen über sich selbst preisgibt ist vielen nicht bewusst. Natürlich stellt jeder irgendwann in seinem Leben fest, dass die eigene Lust, ob am Essen oder im Sexuellen, sehr verschieden sein kann. Der eine bevorzugt das Gratinieren mit reichlich Käse, der andere greift zum Snickers und manch einer lässt den Snickers-Riegel in die Fritteuse fallen. Aber zumindest letzteres wird wohl nur auf wenige Menschen zu treffen, womit sich doch ein Unterschied in der Qualität und auch in der Quantität der Lüste bemerkbar macht. Ebenso verhält sich beim Sex: Der Eine bevorzugt dies, der Andere das.

Jeder Einzelne lebt in einem anderen Verhältnis zu diesen Gelüsten und lebt sie auch individuell aus, ob durch außen oder sich selbst beschränkt. Das heißt aber in erster Linie, dass man sich selbst durch dieses Verhalten zu der Lust ausdrückt. Dabei ist sowohl die Liebe, als auch der Humor eine Lust, die in jeder Person eine gewisse Wirkung auslöst. Man verbindet also mit der Lust und vor allem mit der Befriedigung ein Glücksgefühl, auch wenn jeder in einem anderen Verhältnis dazu steht und sich dadurch selbst vom Anderen abgrenzt. Vor allem wenn es um private Dinge, wie Sex geht oder dem „sündhaften“ Essen, das gerne in Völlerei und wilden Käse-Orgien ausartet.

Doch wie Verhält es sich beim Humor? Ist der Humor nicht das Individuellste, was es gibt, gibt es nicht so viele Unterschiede und man selbst teilt sogar oft nicht mal den Humor des allerbesten Freundes. Ja, so scheint es und deshalb benötigt der Humor in der Öffentlichkeit eine besondere Handhabe, das ist auch der Grund warum es Political Correctness gibt, denn nicht jeder kann darüber lachen, wenn Juden in der Gaskammer Fußball spielen und nur deshalb gewinnen, weil sie im Heimvorteil ist. Es ist also für den ein oder anderen ein durchaus heikles Thema und hier scheiden sich die Geister, wie man sich in Sachen Humor verhält, was lustig ist und auch wann man darüber lachen darf.

Aber der Humor ist noch vielseitiger, als dieses Problem der Political Correctness vermuten lässt. Denn die Grundlage für die Entscheidung, ob man lacht oder nicht, liegt nicht nur im sozialen Umfeld, sondern vor allem auch im Verständnis des Witzes oder der witzigen Situation. Oftmals hört man den Spruch „Wer den nicht witzig findet, hat den Humor nicht verstanden“, doch kann der Zuschauer in der Regel den Witz logisch nachvollziehen und auch den irritierenden oder witzigen Moment erfassen, doch muss dieses Verständnisvermögen nicht zwangsläufig in einem Erguss aus Gelächter enden. Schließlich kann der Witz auch nur mit einem kleinen Grinsen gewürdigt werden und als unlustig abgetan werden, wenn man ihn nicht verstanden hat.

Auf der Suche nach dem Witz scheiden sich die Geister, denn es gibt de facto keine sachlichen Kategorien, an denen sich feststellen lässt, ob etwas lustig ist oder nicht. Dabei ist die Irritation und das Verständnis für den Laien-Forscher anscheinend doch ein maßgebendes Moment. Denn allein schon durch das Durchdringen eines komplexen Witzes, kann der Zuhörer die Lust des Erfolges unvermittelt spüren und dies kann mit der Lust des Humors zusammenfließen, sodass die Pointe fällt. Das kann schon dadurch passieren, dass jemand einen Insider-Witz gebracht hat und man diesen nur in gewissen Personenkreisen versteht. Der Witz muss also dem Zuhörer, dem Rezipienten, erst vermittelt und entschlüsselt werden, damit überhaupt ein Gag zünden kann. Weiter noch spielt die Irritation eine wichtige Rolle. Es muss nämlich zumindest doch eine gewisse Denkarbeit geleistet werden, um das Gemeinte zu entschlüsseln, schließlich gilt dies auch für die allgemeine Symbolhaftigkeit der Sprache. Während des Verstehensprozesses kann der kluge Kopf jedoch einen offensichtlichen oder versteckten Fehler einbauen, der letztendlich zur Irritation und damit zum Lachen führt.

Mit diesen Fähigkeiten und Geschmacksverhältnissen ist es also durchaus möglich sich Gruppen zusammen zu finden, die neben den gleichen Interessen auch den gleichen Humor teilen. So kann Humor Grenzen brechen, aber eben auch schaffen, ebenso wie der Humor bei jedem Unterscheidungsmerkmal ist. Doch bietet hier der Witz die einzige Möglichkeit auf einer sympathischen Ebene sich zu verbinden und sonst für viel zu ernst genommene Themen ad acta zu legen und das Leben zu genießen. In Anbetracht einer Zeit, in der der schnelle Stand-Up Comedy, Fun- und Failvideos Konsum viele Grundlagen des Nachdenkens nimmt, fällt allerdings auch der mahnende und nachdenkliche Faktor jener humoristischen Intention weg und damit auch Grenzen nachhaltig zu überdenken. Währenddessen ist es aber möglich geworden Spaß und kurze Freude auf Abruf zu generieren und sich so aus jeder Situation mit einem Lachen zu entfliehen.

Foto: Ryan McGuire / pixabay.com

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